top of page

"Ich kann einfach nicht damit aufhören!"

Skin Picking und Trichotillomanie sind behandelbar

​

Skin Picking (Haut zupfen - Dermatillomanie) und Trichotillomanie (Hare zupfen) sind sogenannte körperbezogene repetitive Verhaltensweisen (Body-Focused Repetitive Behaviors, BFRBs). Betroffene bearbeiten dabei wiederholt ihre Haut, beispielsweise durch Kratzen, Drücken oder Knibbeln, oder ziehen sich Haare aus, etwa an der Kopfhaut, den Augenbrauen oder den Wimpern. Diese Verhaltensweisen können zu Hautverletzungen, sichtbarem Haarverlust und erheblichem psychischem Leidensdruck führen.

​

Häufig entsteht ein Kreislauf, aus dem Betroffene nur schwer aussteigen können: Ein bestimmtes Gefühl, eine Anspannung oder ein innerer Drang löst das Verhalten aus. Dieses kann kurzfristig Erleichterung, Befriedigung oder ein Gefühl von Kontrolle verschaffen. Langfristig entstehen jedoch häufig Scham, Schuldgefühle und der Wunsch, das Verhalten endlich zu beenden.

​

Das Verhalten geschieht nicht immer bewusst. Manche Betroffene bemerken erst im Nachhinein, dass sie über längere Zeit an ihrer Haut geknibbelt oder Haare ausgerissen haben. Andere erleben einen ausgeprägten Drang und können dem Impuls nur schwer widerstehen.

​

Eine Verhaltenstherapie kann dabei helfen, die individuellen Auslöser und aufrechterhaltenden Bedingungen besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang mit den Impulsen zu entwickeln.

​

Wie funktioniert die Behandlung?

James Loparics arbeitet mit dem ComB-Modell (Comprehensive Behavioral Treatment), einem spezifischen verhaltenstherapeutischen Ansatz zur Behandlung von Skin Picking und Trichotillomanie. Im Mittelpunkt steht eine individuelle Analyse der Bedingungen, unter denen das Verhalten auftritt und aufrechterhalten wird.

Anstatt ausschließlich zu versuchen, das Knibbeln oder Haareausreißen zu unterdrücken, werden jene Faktoren untersucht, die das Verhalten begünstigen. Daraus werden passende therapeutische Strategien abgeleitet und schrittweise im Alltag erprobt.

​

Das ComB-Modell unterscheidet fünf Bereiche, die unter dem Begriff SCAMP zusammengefasst werden:

​

  • S – Sensory (sensorische Ebene): Welche körperlichen Empfindungen spielen eine Rolle? Beispielsweise können eine unebene Hautstelle, ein bestimmtes Haar oder ein Juckreiz den Impuls auslösen. In der Therapie werden alternative Möglichkeiten erarbeitet, mit diesen Empfindungen umzugehen.

  • C – Cognitive (kognitive Ebene): Welche Gedanken und Bewertungen beeinflussen das Verhalten? Dazu gehören beispielsweise Gedanken wie „Diese Hautstelle muss glatt sein“ oder „Dieses Haar darf nicht so bleiben“. Ziel ist es, solche Denkmuster zu erkennen und einen flexibleren Umgang mit ihnen zu entwickeln.

  • A – Affective (emotionale Ebene): Welche Gefühle gehen dem Verhalten voraus oder werden dadurch kurzfristig beeinflusst? Langeweile, Anspannung, Angst, Frustration oder innere Unruhe können eine Rolle spielen. Hier werden alternative Strategien zur Emotionsregulation erarbeitet.

  • M – Motor (motorische Ebene): Welche Bewegungen, Körperhaltungen oder Gewohnheiten gehen dem Verhalten voraus? Dazu kann beispielsweise gehören, beim Lesen unbewusst die Hände zum Kopf zu führen oder beim Nachdenken die Haut abzutasten. Durch gezielte Wahrnehmungs- und Verhaltenstrainings können solche Abläufe verändert werden.

  • P – Place (Umgebung): Welche Situationen und Umgebungsbedingungen begünstigen das Verhalten? Bestimmte Orte, Spiegel, Pinzetten oder längere Phasen des Alleinseins können als Auslöser wirken. Veränderungen der Umgebung können dabei helfen, das Verhalten zu unterbrechen und neue Gewohnheiten aufzubauen.

 

Die fünf Ebenen müssen nicht alle gleichermaßen relevant sein. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Deshalb wird die Behandlung individuell auf die jeweilige Person und ihre spezifischen Verhaltensmuster abgestimmt.

​

Ziel der Therapie

​

Ziel ist es, die eigenen Verhaltensmuster besser zu verstehen, Impulse frühzeitiger wahrzunehmen und alternative Reaktionsmöglichkeiten zu entwickeln. Dazu können unter anderem Übungen zur Wahrnehmung, alternative Verhaltensweisen, Veränderungen der Umgebung sowie Strategien zum Umgang mit belastenden Gedanken und Gefühlen gehören.

​

Die Behandlung orientiert sich an den persönlichen Zielen und der individuellen Lebenssituation. Sie soll dabei helfen, den Handlungsspielraum zu erweitern, körperliche Folgen des Verhaltens zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Nach einer umfassenden Erhebung und funktionalen Analyse wird gemeinsam ein individueller Behandlungsplan erstellt. Die therapeutischen Schritte werden im Verlauf überprüft und bei Bedarf angepasst.

Literatur

Skin Picking (Dermatillomanie)

  • Schumer, M. C., Bartley, C. A., & Bloch, M. H. (2016). Systematic review of pharmacological and behavioral treatments for skin picking disorder. Journal of Clinical Psychopharmacology, 36(2), 147–152. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000462

  • Gallinat, C., Moessner, M., Haenssle, H. A., et al. (2019). An Internet-Based Self-Help Intervention for Skin Picking (SaveMySkin): Pilot Randomized Controlled Trial. Journal of Medical Internet Research, 21(9), e15011. https://doi.org/10.2196/15011

Trichotillomanie (Haareausreißen)

  • Woods, D. W., Wetterneck, C. T., & Flessner, C. A. (2006). A controlled evaluation of acceptance and commitment therapy plus habit reversal for trichotillomania. Behaviour Research and Therapy, 44(5), 639–656. https://doi.org/10.1016/j.brat.2005.05.006

  • Franklin, M. E., Edson, A. L., Ledley, D. A., & Cahill, S. P. (2011). Behavior therapy for pediatric trichotillomania: A randomized controlled trial. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 50(8), 763–771. https://doi.org/10.1016/j.jaac.2011.05.009

  • Falkenstein, M. J., Mouton-Odum, S., & Mansueto, C. S. (2016). Comprehensive behavioral treatment of trichotillomania. Behavior Modification, 40(3), 414–438. https://doi.org/10.1177/0145445515616369

  • Carlson, E., Malloy, E. J., Brauer, L., et al. (2021). Comprehensive Behavioral (ComB) Treatment of Trichotillomania: A Randomized Clinical Trial. Behavior Therapy, 52(6), 1543–1557. https://doi.org/10.1016/j.beth.2021.05.007

cat6719-hand-663726_1920.jpg
bottom of page